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Sonntag, 20. Oktober 2013

Plazentanosoden - die ultimative Familienmedizin

Einige Wochen nach der Geburt unserer Tochter Joy kam ein Paket ins Haus...


Sieht es nicht geheimnisvoll aus...? Und so hübsch mit diesen Punkten... (ich liebe Punkte...!!)

Nun zur Sache: Ich erzähle Euch, was es mit diesem Paket auf sich hat und was so besonders ist daran...

...dafür muss ich etwas ausholen:

Die Plazenta eines jeden Kindes ist ein wundervolles Organ. Es ist, genau genommen, das erste Organ eines Menschen. Die Plazenta nährt uns und ist uns eine liebe Begleiterin während der Zeit im Mutterleib. Sie übernimmt nicht nur die Aufgabe uns mit Nährstoffen und sauerstoffreichem Blut zu versorgen, sondern sie erfüllt gleichfalls die Funktion der Lunge, der Nieren, des Darms und der Leber. Und solange wir mit der Plazenta verbunden sind und die Nabelschnur noch pulsiert, empfängt unser kleiner Körper den Sauerstoff durch das hochgesättigte und -wertvolle Nabelschnurblut. 
Sobald wir den ersten Atemzug unseres Lebens vollziehen, füllen sich unsere Lungen mit Luft, und Blut wird in den Lungenkreislauf hineingesogen. Die Natur hat für uns jedoch noch mit einem Blut-Reservoir in der Plazenta und in der Nabelschnur vorgesorgt. Nachdem unser Körper geboren wird und wir immer noch durch die Nabelschnur mit der Plazenta im Mutterleib verbunden sind, liefert uns die Plazenta mit jeder Nachwelle(-wehe) unserer Mutter dieses zusätzliche Blut, welches wir als Unterstützung für unser Lungen- und Organkreislauf zur Verfügung haben. Und zwischen den Wellen fliesst etwas Blut zurück in die Plazenta. Wenn wir unsere ersten Laute von uns geben, wird die natürliche Plazentaperfusion langsam gebremst und wir erhalten das restliche Blut in diesem Masse wie es unser Körper benötigt(!). Normalerweise geschieht dies innerhalb der ersten ca. 3 min nach der Geburt. Dieses natürliche System garantiert uns die für unseren Körper optimale Blutversorgung. Und da, je nach Geburt, die Menge des Blutes, das unser Körper benötigt, bei jedem von uns unterschiedlich ist, gibt es keine Standardwerte. Umso wichtiger erscheint es mir, dass mindestens solange gewartet wird, bis die Nabelschnur auspulsiert ist und nicht wie früher und leider heute noch im "aktiven Geburtsmanagement" üblich, die Nabelschnur in den ersten 30 Sekunden durchtrennt wird. 
(Das "aktive Geburtsmanagement" wird heutzutage leider noch in den meisten Spitälern angewendet und bedeutet maximale Kontrolle des Geburtsvorganges und u.a. Anleitung des Pressens während den Wehen, sowie auch sofortiges Abnabeln, damit am Rest der Nabelschnur gezogen werden kann, um so schnell als möglich auch die Plazenta "rauszubringen".)

Nun, wie ihr seht, es gibt einen Haufen Gründe und Tatsachen, die aufzeigen, wie wertvoll unsere Plazenta für unser Lebensstart ist. Das alte, mittelhochdeutsche Wort für Plazenta bedeutet liebevoll "Brot der Mutter", welches auf die pränatale Funktion der Ernährung der Plazenta, sowie auf die Verarbeitung und Zubereitung der Plazenta nach der Geburt hinweist. Mit Verarbeitung und Zubereitung meine ich ein Plazenta-Gericht für die Mutter herstellen nach der Geburt oder die Plazenta zu Medizin verarbeiten. Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts konnte man Plazentapulver oder Plazenta-Essenz in jeder Apotheke kaufen und Plazenta-Medizin in irgend einer Form war nicht selten im Haushalt anzutreffen. In diesen alten Zeiten war nicht nur die Ankunft des Babys ein Geschenk, sondern brachte  auch ein wichtiges Heilmittel als Geschenk mit: die Plazenta. Ein Heilmittel, das nicht nur für das neugeborene Kind eine starke Heilwirkung hat, sondern auch für die Mutter, die Grossmutter und alle Geschwister des Kindes.
Seit ca. 1990 hat das Verarbeiten der Plazenta zu Salben, Homöopathie und Chinesische Medizin wieder in unsere Kultur Einzug gehalten. Eine Version die mich persönlich sehr überzeugt, möchte ich Euch heute vorstellen: Plazentanosoden.


Plazentanosoden ist Plazenta-Medizin in homöopathischer Form! Mit einem haselnussgrossen Stück der Plazenta Deines Kindes wird Deine absolut hochwertige und persönliche Medizin für die ganze Familie hergestellt. Ist das nicht wunderbar?!? Die Anwendungen sind unglaublich zahlreich und vielseitig: Über Behandlung von Erkältungen bis zu Neurodermitis ist alles möglich und kann auf jedes Familienmitglied genau abgestimmt werden. Die Varietät und die Menge Deiner persönlichen Familienmedizin kannst Du selber bestimmen. Ob D- oder C-Potenzen, einzelne Potenzen, ein Starterset, Notfall-, Brustpflege-, Narben- oder Ekzemsalbe - Du hast die Wahl.

Es ist ein ganz simpler Vorgang, der auch mit Lotusgeburt angewendet werden kann. Und das geht so: Vor der Geburt bestellst Du ein unverbindliches Gratis-Set, welches mit einem kleinen Fläschchen und einem Bestellformular zu Dir nach Hause kommt. Nach der Geburt, resp. der Lotusgeburt kannst Du ein kleines Stück der Plazenta in dieses Fläschen geben und mit dem ausgefüllten Formular einschicken. Innert ca. 2 Wochen wird Dir Dein persönliches Heilmittel in Form von Salben oder Globuli zugestellt... 
Ist das nicht einfach toll?!? Ich liebe die Einfachheit und Effektivität unserer natürlichen Ressourcen...




Plazentanosodenbestellung und Informationen: hier.

Quellenangaben:
  • Buckley, SJ. Gentle Birth, Gentle Mothering: the wisdom and science of gentle choices in pregnancy, birth, and parenting 2005; S.185 f.
  • Enning, C. Placenta: The Gift Of Life: the role of the placenta in different cultures, and how to prepare and use it as medicine 2007 by Motherbaby Press; preface

Freitag, 18. Oktober 2013

Sie ist da! - die wundervolle Alleingeburt unserer Tochter Joy

Na endlich....!!!! Blogpause vorbei - es gibt Neuigkeiten!


Meine Lieben...



...Sie ist da…


JOY LILY LOVE.



Sie hatte sich angekündigt...:
Sie komme im Zeichen des Löwen und heisse übrigens Li-Lo. Ein zwischen Sternen umherfliegendes Mädchen mit blauen Augen...

Als mein Mann mir das erzählte, staunte ich etwas ungläubig, weil mein Zyklus damals - immer noch in der Stillzeit mit meinem 4. Kind - noch gar nicht wieder eingesetzt hatte. Und falls das Kind wirklich im August zur Welt kommen sollte, hätte ich innerhalb eines Monats - ohne Zyklus! - schwanger werden müssen… (und abgesehen davon; Li-Lo hätte ich mir nicht als Name für unser Kind ausgesucht. Obwohl ich ihn schön finde, wusste ich, so würde unser Kind nicht heissen...)
Ehrlich gesagt, hatte ich etwas Mühe diese ganze Botschaft einzuordnen und irgendwann liess ich es los…und vertraute einfach.

Und tatsächlich, ca. einen Monat später war ich schwanger! So wusste ich, nicht ganz genau, aber immerhin, mein Kind kommt so Mitte August zur Welt. Und da ich wieder in der ganzen Schwangerschaft keinen Arztbesuch vorgenommen hatte und somit auch keinen Ultraschall machte, wusste ich bis am Schluss nicht mehr. Aber es hat sich bewahrheitet...

Und da war noch das mit dem Namen. Bis jetzt, bei unseren anderen Kindern, war es eigentlich immer sehr ähnlich. Entweder habe ich den Namen des Kindes geträumt oder ich habe ihn irgendwo gelesen und wusste; das ist er! Und so ähnlich war es auch diesmal: ich wusste JOY für ein Mädchen von Anfang an, und erwachte eines Morgens mit Joy Lily Love. Ich sagte zu meinem Mann: "wie findest du ihn?" Seine Antwort: "Also doch Li-Lo!" (von Li-ly und LO-ve)…das war mir gar nicht bewusst! ...und so schlich sich die Li-Lo doch noch ein…:-)

Es war mitten im August…
…den ganzen Tag fühlte ich mich innerlich sehr unruhig. Das Wetter war wunderschön und es war Samstag, ein Tag vor meinem Geburtstag. Ich sortierte Kinderkleider wie wild, räumte auf wie verrückt, putzte den Kühlschrank,… (und das will was heissen! Eigentlich hätte ich es dann schon wissen müssen...:-)) 
Ich spürte schon, es geht nicht mehr lange. Und trotzdem wollte ich es irgendwie noch nicht wahrhaben. Ich hielt meine Hand auf meinen runden Bauch und sagte meinem Kind: "Falls du deinen eigenen Geburtstag haben möchtest, musst du entweder heute kommen oder bis übermorgen warten…"

Meine erste Tochter Lesley und ich, ca. 3 Stunden vor der Geburt...:



Abends spürte ich die erste richtige Wellen(Wehen)-Tätigkeit. Ich sass bei Tisch und bastelte mit den Kindern Rosenblätter für einen Kuchen. Allmählich verspürte ich das Bedürfnis mich zurück zu ziehen. Eine Stunde später ass ich mein Nachtessen. Wir hatten abgemacht, dass mein Mann die Kinder zu Bett bringen und dann zu mir kommen würde. Ich ass meine Rösti und verzog mich 10 min später ins Schlafzimmer. Das Zimmer hatte ich noch am Vortag gründlich mit Rauch und Trommel gereinigt und alles stand bereit…
Die Stimmung war geheimnisvoll und vibrierte, ich entzündete Kerzen in den Regenbogenfarben und eine weisse Kerze. Blumen, mein Geburtsbild, meine Trommel und meine Talismane waren alle bei mir, es duftete weich und erdig. Ich tanzte noch etwas rum und verkroch mich dann unter die Bettdecke. Claudio ass mit den Kindern und brachte sie zu Bett.
In der Zwischenzeit machte ich meine Entspannung, war hochkonzentriert und völlig in einer anderen Welt und mit meinem Baby verbunden… Ich war ganz alleine... Und doch fühlte ich mich so getragen und behütet wie selten. Ich hatte das Gefühl, der ganze Raum vibrierte und ich war doch überhaupt nicht alleine...

Etwas später kam mein Mann ins Zimmer. Ich konnte schon die Fruchtblasenhaube über dem Köpfchen spüren. Ich war ganz ruhig und zur gleichen Zeit hochkonzentriert. So ging mein Mann nochmals zu den Kindern und erzählte ihnen eine Geschichte... In der Zwischenzeit atmete ich sanft, aber hochfokussiert und -konzentriert mein Baby mit jeder Welle, langsam und stetig den Geburtsweg entlang. Mit jeder Welle atmete ich sie ein kleines Stück weiter vor und während jeder Wellenpause entspannte ich mich bewusst und spürte, wie das Köpfchen jedes Mal etwas zurückglitt. Obwohl alles schliesslich sehr schnell ging, hatte ich genügend Zeit mich zu entspannen. Offen war ich schon ganz. Alles wurde weit und weiter... Meine Tochter ging langsam aber sicher ihren Geburtsweg, bis ich ihre Fruchtblasenhaube ganz nah am Damm spürte. Die Weite wurde immer intensiver und dann ergriff mich eine enorme Kraft, eine unbeschreiblich starke Welle. Sie kam von tief unten mit solch einer Wucht und schob sanft aber mit unsäglicher Kraft... Die Fruchtblase ging auf und ich spürte ihr Kopf und ein paar weiche Häärchen. Es kam mir vor als ob die Welle mich ergriff, ich ritt auf ihr und ich wusste, ich bin die Wellenreiterin und würde meine Welle nicht verlassen... ich atmete stimmlos, führte jedoch die Luft fokussiert und genau durch meinen Körper in Richtung Öffnung... ich konnte eine Blüte sehen, die ihre Blätter ganz sachte entfaltete... ich führte mit meinem Atem und meinen beiden Händen sanft ihr Köpfchen über den Damm... maximale Weite und Offenheit...  und ihr Köpfchen war da und sie gab ihre ersten Laute von sich... der absolute Höhepunkt der Freude und Glückseligkeit... Ich lachte laut auf vor Freude und mit der nächsten Welle glitt ihr Körper nach. Ich nahm sie in meine Arme an mein Herz und mein Mann, der kurz vorher das Zimmer wieder betreten hatte, deckte uns beide mit einer Decke in einer Umarmung zu…
Ich kann Euch gar nicht wirklich beschreiben, was das für ein Erlebnis ist. Einfach ein Wunder! Ein absolut magisches und bahnbrechendes Erlebnis… in diesem Moment reisst der Himmel auf und man hat das Gefühl Zeit und Raum werden neu geschrieben. Generationen über Generationen werden verschoben, Energien werden um Quanten versetzt und Spannungen lösen sich ins Nichts auf. Bei einer solch wunderschönen Geburt werden alte Wunden geheilt. Über Generationen und Welten hinweg. Ein Moment in dem die Zeit stehen bleibt…*.*

Eine Alleingeburt, so ganz ohne Hebamme, Arzt, etc. (gut, nicht ganz ohne…aber ein ziemlich harmloser…zumindest auf dem Gebiet der Gynäkologie…:-)) ist einfach wunderbar. So ohne Drama. Ich durfte es drei Mal erleben und bin zutiefst dankbar dafür...

Einige Zeit später, oder Momente, keine Ahnung wie lange, nachdem wir unser Kind begrüsst hatten, holte mein Mann unsere beiden älteren Söhne, die noch nicht schliefen und ganz wach in ihren Betten sassen, weil sie schon das Baby hörten - ein Geräusch, das sie zuerst nicht wirklich einordnen konnten -. Sie begrüssten ganz zärtlich ihre kleine Schwester und wir schauten erst dann, ob es ein Mädchen oder ein Junge war… Auch sie freuten sich riesig über die Geburt ihrer kleinen Schwester, durften noch einige Zeit bei uns sein und gingen dann wieder zu Bett.
Ca. eine Stunde nach der Geburt gebar ich die Plazenta. Wir machten wieder eine Lotusgeburt, d.h. wir trennten die Nabelschnur nicht durch. 
(Mehr dazu in diesem Post... ) 

Joy und ihre Plazenta in der wunderschönen Plazentaschale...:


Es war einfach ein traumhafter Start. Mein Mann hatte 4 (!) ganze Wochen Ferien!! 
Und wisst Ihr was: Ich wusste schon als Kind, dass dieser Geburtstag ein ganz besonderer Tag sein würde. Ich habe mich tatsächlich schon als Kind darauf gefreut! Aber ich hätte nie gedacht, dass ich am Morgen mit meinem frisch geborenen 5. Kind in den Armen aufwache und es deshalb ein so besonderer Tag werden würde...



Zum Geburtsbericht meiner 1. Alleingeburt geht's hier lang. Der Geburtsbericht meiner 2. Geburt ganz alleine könnt Ihr hier nachlesen...

Die traumhaft schöne Plazentaschale ist von dieser ganz wunderbaren Künstlerin.
Und die wunderschönen Fotos von Joy sind von Ruth Sun, einer ganz lieben und geduldigen Fotografin.

Mittwoch, 3. April 2013

Lotusgeburt


Heute möchte ich Euch über ein Thema berichten, das mir persönlich sehr am Herzen liegt. Ich erzähle Euch von der LOTUSGEBURT. 
Was das genau BEDEUTET, meine persönlichen ERFAHRUNGEN damit und eine detaillierte ANLEITUNG...

Nein, eine Lotusgeburt heisst NICHT, dass man im Lotussitz oder irgend einer anderen yogischen Verrenkung gebärt, sondern etwas ganz anderes: Lotusgeburt bedeutet, dass man nach der Geburt des Kindes wartet, bis sich die intakte Nabelschnur mit der Plazenta von alleine vom Bauchnabel des Kindes löst. Die Nabelschnur wird NICHT durchtrennt.

Kurz eine Erläuterung für diejenigen, die keine grosse Ahnung (mehr) haben, wie es im Bauch der Mutter aussieht... (die andern können diesen Absatz überspringen...):
Das Baby ernährt sich während der Zeit im Mutterleib über die Nabelschnur, die den Bauchnabel des Babys mit der Plazenta verbindet. Die Plazenta wiederum ist während der Schwangerschaft über die Uterusschleimhaut (Uterus = Gebärmutter) mit der Gebärmutterwand verbunden und über die Plazenta gelangen alle Nährstoffe, Sauerstoff und Elektrolyte vom Mutterkörper zum Körper des Babys. Es ist sozusagen die einzige „direkte physische Verbindung“ von Mutter und Kind, wobei die Plazenta kindliches Gewebe ist. Wenn das Baby geboren ist, löst sich die Plazenta von der Gebärmutterwand und wird kurze Zeit später auch geboren. (Darum wird sie auch „Nachgeburt“ genannt). Bei einer künstlichen Abnabelung (wie das üblicherweise gemacht wird und wie es wahrscheinlich die meisten von Euch kennen) wird kurze Zeit nach der Geburt des Kindes die Nabelschnur mit zwei Clips abgeklemmt und dazwischen mit einer Schere durchschnitten. Im Idealfall lässt man die Nabelschnur wenigstens auspulsieren, damit das sauerstoffreiche fetale Blut, welches sich in der Schnur befindet und dem Baby gehört, auch wirklich im Körper des Babys ist. Und dann muss man genau so warten, bis sich der Stumpf der Nabelschnur vom Bauchnabel gelöst hat und nach einigen Tagen von alleine abfällt.

Meine Erfahrungen zeigen, dass es bei einer Lotusgeburt WENIGER Zeit braucht (3-5 Tage), bis die Nabelschnur sich vom Nabel löst, als bei einer durchtrennten Nabelschnur (4-8 Tage). Und es entstehen viel weniger Nabelentzündungen.

Bei einer Lotusgeburt wird also die Plazenta nicht „abgeschnitten“, sondern man lässt die Nabelschnur mit der Plazenta intakt und lässt dem Kind so die Zeit, sich selber abzunabeln. Man könnte die Lotusgeburt auch als eine Art Übergangszeit verstehen, in der man dem Baby die Zeit lässt, sich langsam, aber sicher, vom ZUSTAND IM MUTTERLEIB zu verabschieden. Und zwar in seinem dafür vorgesehenen Tempo.

Die Plazenta gehört nicht zum Körper der Mutter, sondern sie ist sozusagen das „erste Organ des Kindes“, das sich bereits vier Tage nach der Befruchtung aus dem Zellhaufen bildet, der sich Blastozyste nennt. Das Durchschneiden der Nabelschnur ist also nicht eine Abnabelung vom Körper der Mutter, wie fälschlicherweise oft gemeint wird, sondern man trennt das Kind künstlich von seinem ersten Organ. Es gibt keinen medizinisch notwendigen Grund. Es wird aus rein kosmetischen Gründen, allenfalls praktischen Gründen und Nichtwissen praktiziert.

Mit welchen entwicklungspsychologischen Folgen? Es bestehen bereits etliche Untersuchungen der perinatalen Psychologie, die die gewaltsame Trennung und damit den plötzlichen Verlust der Plazenta mit tiefem seelischem Trennungsschmerz bis hin zu körperlichem Schmerz als einschneidendes traumatisierendes Erlebnis schildern. Man hat sogar frisch geborene Babys beobachtet, die sich reflexartig an ihre Nabelschnur klammern, wird diese durchtrennt.
Die ersten Momente unseres Lebens sind einschneidende und zutiefst prägende Minuten für unser ganzes Leben. In dieser Zeit entstehen unglaublich viele und wichtige neuronale Verbindungen in unserem Gehirn, die unsere Verhaltensweisen und Muster von Grund auf prägen.

Aus meiner Erfahrung als Mutter, als HypnoBirthing-Kursleiterin und Eltern-Beraterin kann ich immer wieder beobachten, wie wichtig die ersten Lebensmomente sind und wie sie auch die Eltern-Kind-Beziehung prägen. Zudem kann ich sagen, dass JEDER Eingriff in den natürlichen Verlauf (sei es in der Schwangerschaft, während der Geburt oder nach der Geburt, wie beispielsweise das Durchschneiden der Nabelschnur) wohl überlegt sein sollte. Wie oft höre ich von Komplikationen jeglicher Art und beim genauen Nachfragen wurde irgendwo in den natürlichen Lauf der Dinge eingegriffen und es folgte ein Rattenschwanz an Ereignissen, die man schliesslich nicht mehr aufhalten konnte.

Der Name Lotusgeburt kommt übrigens von einer Frau namens Claire Lotus Day - nein, sie ist meines Wissens nicht mit mir verwandt – die in den 60er Jahren unsere übliche Praktik und auch die Notwendigkeit des Durchtrennens der Nabelschnur hinterfragte. Sie beobachtete darauf bei Primaten das Verhalten der Lotusgeburt und sie war die erste, die in der westlichen Welt die Nabelschnur bei der Geburt ihres Sohnes intakt liess. Es gibt nicht nur Quellen von Lotusgeburten aus dem alten Ägypten, auch in Urvölkern der Erde wird heute noch traditionell die Nabelschnur nach der Geburt intakt gelassen.

Nun, was geschieht bei einer Lotusgeburt nach der Geburt mit der Plazenta?
Hier eine ANLEITUNG FÜR EINE LOTUSGEBURT:
Es gibt verschiedene Möglichkeiten...

1) BEHANDELN DER PLAZENTA: Du lässt die Plazenta in einem Sieb über einem Gefäss abtropfen, bis das restliche Blut abgelaufen ist und hilfst bei Bedarf mit einem Tuch (z.B. Stoffwindel) nach, indem du sie von allen Seiten sanft abtupfst. Dann reibst du sie mit einer Mischung aus Meersalz und desinfizierenden Kräutern (z.B. Neemkräutern (hier erhältlich)) ein. Das ungewaschene Atlantik-Meersalz aus dem Reformhaus eignet sich weniger, da es eher zu feucht ist. Am Besten nimmst du ein trockenes, mittel- bis grobkörniges Meersalz. Es besteht auch die Möglichkeit 2-3 Tropfen Lavendelöl dazuzugeben, damit es nicht zu riechen beginnt, wobei ich persönlich davon abrate, weil alle Essenzen und Duftöle sehr stark riechen und Babys ganz besonders feine Näschen haben...
Das Behandeln der Plazenta hat den Vorteil, dass die Plazenta nach einiger Zeit (v.a. an heisseren Tagen) nicht beginnt, nach altem Fleisch zu riechen. Jeden Tag wird die Plazenta ausgepackt, das vollgesogene Salz entfernt und dann wieder mit frischer Kräuter-Salz-Mischung eingerieben, bis sie ganz ausgetrocknet ist, immer leichter wird und einem Stück Leder gleicht. Dann geht es nicht mehr lange und die eingetrocknete dünne Nabelschnur, die dann etwa aussieht wie ein altes Telefonkabel, fällt ab. Falls sie das Baby in der Bauchgegend drücken sollte, weil sie krumm eingetrocknet ist, kannst du diese Stelle mit einer Wasser-Öl-Mischung etwas befeuchten und „umbiegen“.

2) PLAZENTA IN DER SCHALE: Du behandelst die Plazenta wie unter Punkt 1 beschrieben, dann legst du sie in eine Schale und trägst dein Baby ein paar Tage mit Schale herum.
(Wunderschöne Plazenta-Schalen: hier erhältlich!)

3) PLAZENTA IN EINEM STOFFBEUTEL: Du nähst dir in der Schwangerschaft einen Stoffbeutel von ca. 30 x 30 cm, den du oben mit einem eingezogenen Stoffband, einer Schnur oder Kordel zuziehen kannst. Dann behandelst du die Plazenta wie unter Punkt 1 beschrieben, wickelst sie in ein paar Molton-Stoffwindeleinlagen, legst sie in den Stoffbeutel und ziehst oben zu, sodass nur noch die Nabelschnur rausschaut. Diesen Beutel trägst du nun anfangs mit deinem Baby herum und wickelst ihn z.B. mit in die Babydecke.

4) BELASSEN DER PLAZENTA: Du behandelst die Plazenta gar nicht und legst sie in eine Schale mit Sieb bis sie austrocknet.

Schon nach wenigen Stunden wird die Nabelschnur ganz weich und immer dünner und dann beginnt sie zu trocknen. Und zwar von der Plazenta her (!). Optimal ist, wenn sich kurz nach der Geburt, Baby und Plazenta ca. auf gleicher Höhe befinden, damit das Blut ungehindert zum Kind fliessen kann.



Habt ihr schon einmal eine Plazenta gesehen? Sie sieht aus wie ein Baum. Ein Lebensbaum. Der Baum der Ahnen. Jede sieht anders aus. Die einen sind klein, fein verästelt, andere dafür gross mit starken klaren Adern, dritte wiederum gleichmässig sternförmig strebend...
...aber alle wie ein kleines Universum.
Für mich persönlich war die Lotusgeburt ein sehr eindrückliches Erlebnis. Ich beobachtete genau. Es war als ob meine Kinder wie in einer Art Zwischendasein verblieben, solange sie mit der Plazenta verbunden waren. In den 3 Tagen nach der Geburt sogen sie alles auf, was in der Plazenta noch enthalten war. Auf einer anderen Ebene. Die ganze unglaubliche Kraft dieses Lebensbaumes. Die Kraft und den Schutz ihrer Herkunft und aller Ahnen. Es war wie eine Komplett-Immunisierung, im Sinne einer Kräftigung und eines Schutzes, für das Leben auf dieser Erde.
Und dann... die Abnabelung: Es war wie nochmals eine Geburt! Bei unseren Kindern war die Nabelschnur nur noch mit einem dünnen Fädchen mit dem Nabel verbunden und es geschah jeweils nach exakt 3 Tagen (!) beim Wechseln der Kleidung. Sie machten einen kräftigen Fusstritt und nabelten sich somit selber ab...! Was für ein Erlebnis! Die Botschaft war: Jetzt bin ich da! Eine magische, ehrfürchtige Stimmung erfüllte den Raum und wir waren zutiefst beeindruckt von der seelischen Präsenz und dem unglaublichen Lebenswillen, der sich manifestierte.

Unsere Tochter mit ihrer Plazenta:


Für jedes Kind ein eigenes Plazenta-Säckchen...:



Zwei Jahre später hörte ich von einer Hebamme folgendes: im Geburtshaus in dem sie arbeitete wurde während eines Jahres die Nabelschnur während mindestens 2 Stunden intakt gelassen und in dieser Zeitspanne traten in keinem einzigen Fall Probleme mit der vollständigen Ablösung der Plazenta von der Gebärmutter auf. Daraus ist sogar eine Studie in Zusammenarbeit mit Ärzten entstanden.
Das freute mich sehr. Für uns war nach unseren Erlebnissen auch klar, dass wir es nie mehr anders machen würden...

Und zum Schluss ein Bild kurz nach dem Abfallen der Nabelschnur...
"jetzt bin ich da und geniesse Papi..." 
(und umgekehrt!)...;-)




Literatur und Quellen:

Sarah J. Buckley:
Gentle Birth, Gentle Mothering: The Wisdom and Science of Gentle Choices in Pregnancy, Birth, and Parenting by Dr. Sarah J. Buckley (Paperback - 2005)
www.sarahjbuckley.com





Shivam Rachana:
www.womenofspirit.asn.au
Buch: Lotus Birth: Shivam Rachana, foreword by Michael Odent
http://www.lotusbirth.net

Samstag, 11. August 2012

Geburtsbericht Alleingeburt, Klappe die 1.

Ich habe so viele Anfragen bekommen wegen meines Posts über den Geburtsbericht der Alleingeburt meines Sohnes Sky über die ich in diesem Post geschrieben habe, dass ich Euch nun die Geburt mit meiner Tochter Lesley auch noch erzählen werde. Es war auch eine Alleingeburt, mitten in der Altstadt von Zürich. Ich war damals, vor meiner Geburt, froh um viele Geburtsberichte, die ich (v.a. im Internet) lesen durfte und mich so informieren konnte. 

Ich nehme den jetzigen Zeitpunkt zum Anlass, weil meine Tochter vor einigen Tagen
4 Jahre alt wurde...

...und vor vier Jahren war eben ein so besonderer Tag, den man das ganze Leben lang nie vergessen wird und der unser Leben von Grund auf veränderte...

Damals, vor vier Jahren, bin ich morgens aufgewacht. (Ich ahnte noch nicht, dass ich 40 min später unser Kind in den Armen halten durfte!) Ich hatte von Wellen geträumt, die sanft rhythmisch und leise ans Ufer rauschten und bemerkte, dass ich schon im Halbschlaf beim Aufwachen meine Wellen (Wehen) beatmete. So wie ich es während meiner Schwangerschaft vorbereitet hatte. 
Wir gingen ins Wohnzimmer, mein Mann entzündete Kerzen, alles war vorbereitet mit Tüchern, Kerzen, Blumen und sanfter Entspannungsmusik im Hintergrund. Ich war völlig entspannt, beatmete Welle für Welle und legte mich, halb sitzend, halb liegend, auf unser mit Tüchern abgedecktes Sofa. Ich war unglaublich ruhig und konzentriert. Inzwischen benachrichtigte mein Mann unsere Hebamme. Ich befand mich bereits mitten in der Geburtsphase. Die ganze Eröffnungsphase erlebte ich schlafend. Ich war so fokussiert, dass ich nur noch meinen Körper wahrgenommen habe, der mit sanften rhythmischen, immer wiederkehrenden Wellen, mein Baby langsam aber sicher in diese Welt hinausschob. Die Bewegungen waren sanft. Aber von unglaublicher Kraft. Ich visualisierte das Bild einer aufgehenden Rose, die sich Blatt für Blatt entfaltete. Ein Bild das ich während Wochen neben meinem Bett liegen hatte. Ich sah innerlich mein Baby, und nach 2-3 Mal starkem Mit-Atmen war sie da. Unsere Tochter. Ganz still und leise. Und ohne Schmerzen. Es war schon eine Art Schmerz. Ein Trennungsschmerz, der nicht weh tat. Ein unbeschreibliches Gefühl. Voller Kraft und Magie. Mein Mann nahm sie in die Arme und legte sie mir auf meinen Bauch und wir waren gebannt voller tiefster Ehrfurcht was da gerade geschah. Sie atmete ihren ersten Atemzug. Auf meinem Bauch. In unseren Armen. Es war ein Gefühl allertiefsten Glücks, wie man es nur schwer beschreiben kann. Es war ein Moment gefühlter Ewigkeit. Sie war wach und beäugte uns ganz genau mit einem kritischen Blick. Und dann robbte sie auf meinem Bauch nach oben zu ihrer ersten Mahlzeit. Nach 10 min kam die Hebamme, schaute zuerst nach mir, dann nach der Plazenta. Wir hatten uns für eine Lotusgeburt entschieden...
...aber davon berichte ich Euch ein ander Mal...

...jetzt gehe ich feiern...

...das Wunder "Leben", das ich mit vier Kindern tagtäglich und immer wieder aufs Neue, dankbar und voller Liebe bestaunen darf...*



Zum Nachlesen: 
Der Geburtsbericht meiner 2. Alleingeburt und 
der Geburtsbericht meiner 3. Geburt alleine zu Hause...